Für alle Vorträge gilt:
Veranstaltungsort: | Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg |
Beginn: | 18:30 Uhr |
Eintritt: | Der Eintritt für Mitglieder des Forum Ägyptologie ist frei. |
Die Dritte Zwischenzeit
Die 3. Zwischenzeit (hier: 21.-25. Dynastie) gehört zu den weniger bekannten Abschnitten ägyptischer Geschichte und fristete lange Zeit auch in der ägyptologischen Forschung ein Schattendasein. In jüngerer Zeit werden die Quellen sukzessive erschlossen und laufende Grabungen werfen neues Licht auf die sozio-kulturellen und politischen Entwicklungen dieser Epoche. Das Forum Ägyptologie freut sich, Referenten gewonnen zu haben, die aus ihrer aktuellen Forschung berichten.
Abweichender Veranstaltungsort:
Universität Hamburg
Edmund-Siemers-Allee 1
Flügel West
Raum 121
Dr. Eva Lange, Universität Potsdam
Zu Beginn des 1. Jahrtausend vor Christus bestiegen Nachfahren libyscher Militärführer den ägyptischen Thron. Die Regierungszeit dieser libyschstämmigen Herrscher ist gekennzeichnet von einer zunehmenden Zersplitterung des Landes in kleine Fürstentümer. Dieser partikularistische Prozess ist vor allem im Nildelta zu beobachten, dem Stammland ägyptisierter Libyer seit der Zeit ihrer Ansiedlung durch Ramses III.
Heimatstadt der sich herausbildenden libyschen Elite war Bubastis, eine Metropole, die bereits seit prädynastischer Zeit zu den wichtigsten Zentralorten des Deltas zählte, und, neben Tanis und Leontopolis, in der Dritten Zwischenzeit möglicherweise zeitweilig königliche Residenz war.
Der Vortrag wird zum Einen neue Funde aus Bubastis vorstellen, die zu weiteren Erkenntnissen hinsichtlich des Prozesses der Konsolidierung der libyschen Herrschaft führen. In einem größeren Kontext werden darüber hinaus das Zusammenspiel zwischen der Topographie des Nildeltas, der historischen Tradition dieses Landschaftsraumes und dem kulturellen Hintergrund der libyschen Machthaber sowie dessen Auswirkungen auf die historisch-politischen Prozesse in der 3. Zwischenzeit beleuchtet.
Donnerstag 10. Juni 2010
Dr. Andreas Effland, Edfu-Projekt / Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Die aktuellen Arbeiten der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Instituts in Abydos konzentrieren sich seit einigen Jahren auf den zentralen Bereich der Nekropole von Umm el-Qaab. Hier befindet sich das Grab des Königs Djer aus der 1. Dynastie, das in einer sekundären Nutzung mit dem Grab des mythischen Königs Osiris identifiziert worden ist. In diesem Zusammenhang – als Osirisgrab – stand es in engem kultischen Bezug zu anderen archäologischen Stätten der Umgebung.
Nahezu jede wichtige historische Periode seit der Situierung des Osirisgrabes in Umm el-Qaab hat Bauten oder Monumente in Abydos hinterlassen; diese Perioden spiegeln sich zumeist auch in den Ritualhinterlassenschaften und Votivgaben, die bislang in dem Areal um das Gottesgrab aufgefunden werden konnten. Eine Blüte erlebte Abydos in der 3. Zwischenzeit. Die neuen Funde des DAI ermöglichen nun eine neue Interpretation für die bislang im Dunkeln liegende Zeit des Überganges von der 21. zur 22. Dynastie. Dabei zeichnet sich ab, daß die Geschichte und Bedeutung von Abydos eng verknüpft ist mit dem Aufstieg und dem Niedergang des von Schoschenq I. begründeten, neuen Herrscherhauses.
Gedenkvortrag für Otto Meinardus
Mit einem koptologischen Vortrag möchte das Forum Ägyptologie den in Hamburg geborenen Theologen und Koptologen Otto Meinardus (1925-2005) ehren. Meinardus hat in Kairo, Athen und Hamburg gelehrt sowie in den USA, Neuseeland, Australien, Deutschland und Ägypten als Pfarrer gewirkt. Der herausragende Konfessionskundler darf als der beste Kenner der heutigen koptischen Kirche gelten. Er hat zahlreiche Monographien und unzählige Artikel über die koptische aber auch weitere Ostkirchen wie die griechisch-orthodoxe, äthiopische und armenische Kirche veröffentlicht. Der mit Frau Zimmermann-Meinardus verheiratete und zuletzt in Ellerau wohnhafte Wissenschaftler hat mit Empathie und kritischem Wohlwollen das Glaubensleben und die Überlieferung der Kopten über Jahrzehnte hinweg erforscht und einer breiten Leserschaft nahe gebracht.
Dienstag, 22. Juni 2010
18.30 Uhr
Dr. Cäcilia Fluck, Berlin
Ägyptens Spätantike trifft Moderne - Die Entdeckung der postpharaonischen Kunst
Die Erfassung spätantiker und frühschristlicher Denkmäler aus Ägypten ging mit der Erforschung der pharaonischen Kunst im ausgehenden 18. Jahrhundert einher, als im Gefolge von Napoleons Ägyptenfeldzug in den Jahren 1798 und 1799 auch zahlreiche Wissenschaftler in das Land am Nil kamen. Zwar in bescheidenerem Maße, dennoch nicht weniger inspirierend und eindrucksvoll, hat sich die Entdeckung der nachpharaonischen Kunst und Kultur auf das Abendland ausgewirkt. Die wichtigsten Fundplätze und ihre Erträge werden vorgestellt. Überwiegend handelt es sich dabei um Textilien, die in großen Mengen geborgen und auf Sammlungen weltweit verteilt wurden. Warum haben gerade sie das Interesse des europäischen Bürgertums angeregt?
Donnerstag, 8. Juli 2010
Prof. Dr. Karl Jansen-Winkeln, Freie Universität Berlin
In den gängigen Darstellungen der ägyptischen Geschichte wird die 3. Zwischenzeit (v.a. die 22. Dynastie) zwar oft auch als „Libyerzeit bezeichnet, aber der Beitrag der Libyer zu dieser Epoche scheint sich auf die Namen der Königs und einiger Fürsten zu beschränken, die angeblich weitgehend „ägyptisiert“ waren. Demgegenüber läßt sich an vielen Einzelheiten und strukturellen Veränderungen zeigen, dass sich Ägypten unter libyscher Herrschaft tiefgreifend gewandelt hat.
Thema des Vortrags ist es, wie sich Staat und Gesellschaft durch die Herrschaft der Libyer nach dem Neuen Reich verändert haben, welche Bereiche eher libysch und welche eher ägyptisch geprägt waren, und wie sich diese Veränderungen langfristig ausgewirkt haben.
Donnerstag, den 29. Juli 2010
Dr. Julia Budka, Humboldt-Universität Berlin
Die Stadt Theben kam in der Kuschitenzeit zu einer neuen, späten Blüte. Einer der wichtigsten Fundplätze für archäologische Belege der 25. Dynastie stellt das Asasif dar. Für diesen Teilabschnitt der thebanischen Nekropole ist generell eine besondere Blütezeit während der 25. und 26. Dynastie anzusetzen. Der Vortrag stellt Ergebnisse eines österreichischen Grabungsprojekts der Siebziger Jahre vor, das seit 2007 neu aufgerollt wurde und weitere Indizien, u.a. zur Anwesenheit von kuschitischen Personen in Theben, erbracht hat.
Das Forum Ägyptologie möchte sein 2008 verstorbenes Mitglied Karl-Heinz Braun mit einem ägyptologischen Vortrag ehren. Seit den 90er Jahren war Maler Braun der Ägyptologischen Abteilung in Hamburg und als Gründungsmitglied seit 2000 dem Forum Ägyptologie eng verbunden. Als Teilnehmer von Veranstaltungen hat er die Ägyptologie nie als reines Service-Angebot verstanden, sondern die Lehrenden – besonders die jüngeren unter ihnen – und das Forum bis zuletzt finanziell, ideell und durch persönlichen Einsatz unterstützt. Karl-Heinz Braun fehlt uns und hätte uns bei unseren Bemühungen zum Erhalt des Faches sicher mit Rat und Tat beigestanden. Sein vorbildliches Engagement bleibt unvergessen und ist uns weiterhin Inspiration.
Dienstag, 16. November 2010
18:30 Uhr
Susanne Martinssen-von Falck, M.A.
Lange vor Tutanchamun - Howard Carter als Zeichner in Ägypten
Der Name Howard Carters wird fast ausschließlich mit dem Sensationsfund des Grabes von Tutanchamun im Jahre 1922 verbunden. Im Schatten dieser „Sternstunde der Archäologie“ steht Howard Carters lange und erfolgreiche Karriere als Zeichner und Archäologe. Diese begann bereits 1891, als Carter mit erst 17 Jahren nach Ägypten kam, um für die Egypt Exploration Society zu arbeiten. Dieser Vortrag möchte die zahlreichen Leitungen Howard Carters bei der Dokumentation ägyptischer Denkmäler würdigen. Im Mittelpunkt soll dabei Carters künstlerisches Talent stehen und seine außergewöhnliche Begabung die Monumente des Alten Ägypten für wissenschaftliche Publikationen zu dokumentieren. Methoden und Techniken seiner archäologischen Zeichnungen werden ebenso vorgestellt wie viele der bezaubernden Aquarelle, die Howard Carter angefertigt hat.
Dienstag, den 23. November 2010, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Daniel Polz, 2. Direktor DAI Kairo
"Dra Abu el-Naga. Zur sozialen Stratigraphie einer komplexen thebanischen Nekropole"
Während der letzten 20 Jahre hat das DAIK in dem unter dem modernen Namen Dra Abu el-Naga bekannten Teil der ausgedehnten Nekropole von Theben-West umfangreiche archäologische Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Ausgrabungen erlauben mittlerweile weitergehende Aussagen zur Entwicklung dieser Residenz-Nekropole während des gesamten 2. Jahrtausends v. Chr, d.h. von der Zeit des frühen Mittleren Reiches bis zum Ausgang des Neuen Reiches. So lässt sich etwa auch die Frage beantworten, welche Kreise der alten Bevölkerung Thebens sich zu welcher Zeit an welchem Ort bestatten lassen konnten. Es ergibt sich dadurch ein klareres Bild von den offensichtlich komplexen Mechanismen, welche der 'Belegung' einer altägyptischen Nekropole zugrunde lagen.
Die Spätzeit
In der ägyptischen Spätzeit wechselten einheimische Dynastien mit Fremdherrschaften ab. Kulturell orientiert sich diese Epoche an den Hochphasen des Alten, Mittleren und Neuen Reiches. Bündnisse mit anderen Mittelmeerstaaten, fremde Invasoren, feste Handelskolonien und das Söldnerwesen befördern gleichzeitig die Auseinandersetzung mit benachbarten Kulturen. Die Wechselwirkung zwischen der Rückbesinnung auf das eigene Erbe und der Verarbeitung des Neuen gibt dieser letzten selbst bestimmten Phase altägyptischer Geschichte ihr besonderes Gepräge.
Dr. Anke Ilona Blöbaum, Universität Münster
„Denn ich bin ein König,der die Maat liebt! Mein Hauptabscheu ist die Lüge! (Ich bin) ein Sohn, der seinen Vater schützt, der das Erbe des Geb in Besitz genommen hat, die beiden Hälften (bereits) als Jüngling vereinigt hat!“ So spricht Psametik I. in seinem 9. Regierungsjahr. Das Zitat aus dem Text einer monumentalen Stele, der sog. „Adoptionsstele der Nitokris“ fasst einige der wichtigsten Konzepte des ägyptischen Königtums zusammen: Die Verbundenheit des Königs mit der Maat, gekoppelt mit dem Kampf gegen das Chaos; die Gottessohnschaft des Königs sowie seine Charakterisierung als Erbe der Götter; und nicht zuletzt die selbstverständlich angeborene Kompetenz, die Beiden Länder (sprich Ägypten) souverän zu leiten. Texte wie dieser gehören zur offiziellen Herrscherrepräsentation, in der der König als politische Gestalt im Zentrum steht. Die Herrschaft Pharaos wird monumental und in Stein – dem Medium der Dauer - inszeniert.
Nach kuschitischer Fremdherrschaft und assyrischer Eroberung gelingt es Psametik I. 664 v. Chr., Ägypten unter seiner Herrschaft zu vereinen. Dies ist der Beginn der 26. Dynastie. Die Könige aus Sais regieren Ägypten in einer sowohl außen- wie auch innenpolitischen wechselvollen Zeit bis zur persischen Eroberung im Jahr 525 v. Chr. Zeugnisse ihrer Herrscherrepräsentation sind uns u.a. in Form von monumentalen Texten erhalten geblieben. Wie stellen sich die saitischen Herrscher in diesen Texten dar? Welche Mechanismen liegen der Inszenierung ihrer Macht zugrunde und besteht ein Zusammenhang zur historischen Situation?
Im Hinblick auf diese Kernfragen wird das Konzept der saitischen Herrscherrepräsentation in den offiziellen königlichen Inschriften vorgestellt und erläutert.
Donnerstag, den 16. Dezember 2010
Prof. Dr. Günther Vittmann, Universität Würzburg
„Ausländer" im spätzeitlichen Ägypten zwischen Abgrenzung und Anpassung
Im ersten vorchristlichen Jahrtausend erlebte Ägypten immer wieder die Präsenz von Fremden, die sich für mehr oder weniger lange Zeit in verschiedenen Funktionen im Lande aufhielten. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, wieweit sich Angehörige verschiedener ethnischer Gruppen gegen die ägyptische Kultur abgrenzten oder sie teilweise übernahmen, und untersucht die Möglichkeiten und Grenzen einer differenzierten Betrachtung. Besondere Aufmerksamkeit soll den vielfältigen Sprachen und Schriften geschenkt werden, wie sie durch Statuen, Stelen, Graffiti, Papyri etc. dokumentiert werden.
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