Willkommen beim Forum Ägyptologie
Donnerstag, 31. Mai 2012
18:30 Uhr im Warburg-Haus
Dr. Andrea Kucharek, Universität Heidelberg
„Trauer und Totenklage in Ägypten"
Die große Bedeutung, die das Leben nach dem Tod für die alten Ägypter besessen hat, ist allgemein bekannt; ihr verdanken wir eine enorme Anzahl von Quellen zu Jenseitsvorstellungen und Totenkult. Nicht ganz so üppig, im Vergleich zu anderen antiken Kulturen des Vorderen Orients aber immer noch herausragend ist die Informationsfülle zu den diesseitigen Aspekten des Todes. Anhand von breitgestreutem Bild- und Textmaterial wird der Vortrag den Weg vom Sterbebett zur Grabkammer nachzeichnen und dabei die Reaktionen und Handlungen der Hinterbliebenen - Familie, Freunde und Kollegen - die um den Toten trauern und klagen, in den Vordergrund stellen. Je nach sozialer Stellung, Familienzugehörigkeit und Geschlecht finden Trauer und Klage in unterschiedlicher Weise Ausdruck; diese Differenzen finden ihren Niederschlag beispielsweise in spezifischen Reden und Gesten, aber auch in der Kleidung oder in der Positionierung in Relation zum Mumiensarg. Deutlich wird dabei auch, daß eine Bestattung - wie auch deren ausführliche Darstellung in der Grabdekoration - nicht zuletzt ein gesellschaftliches Ereignis war.
Donnerstag, 14. Juni 2012
18:30 Uhr im Warburg-Haus
PD Dr. Siegfried Richter, Institut für Neutestamentliche Textforschung, Münster
Ägyptens Blüte in der Spätantike. Von Großstädtern, Klöstern und Eremiten.
In der abendländischen Gelehrtentradition stand noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein
die spätantike Zeit Ägyptens im Schatten der pharaonischen Kultur. Sie galt als Verfallszeit,
in der die einst großartigen literarischen und künstlerischen Leistungen ferner Vergangenheit
angehörten und nicht nur jeglicher Sinn für Kunst und Ästhetik abhanden gekommen war,
sondern Ägyptens Einwohner als ungebildete Bauern ihr Dasein fristeten.
Dieses Vorurteil ist zwar insgesamt revidiert worden, doch kann ein wirklicher Einblick in diese
christlich geprägte Zeitepoche und auch ihre rechte Würdigung nur dann erfolgen, wenn die
Ergebnisse verschiedener Disziplinen zusammengetragen werden.
Der Blick wird zunächst auf die bewegte Metropole Alexandrien gelenkt, wo Bischof Athanasius
residierte und, selbst ein machtbewußter Großstädter, das Leben in der Einsamkeit der Wüste
in seiner Biographie über Antonius verherrlichte. Mit dem Mönchtum wurde in Ägypten eine
alternative Lebensform entwickelt, die die Welt verändern sollte.
Donnerstag. 28. Juni 2012
18:30 Uhr im Warburg-Haus
Dr. Katja Goebs
„Deine Farbe ist strahlender als das Kolorit des Himmels“
Überlegungen zur Terminologie des Lichts in der religiösen Literatur Ägyptens
und ihren ikonograpischen Entsprechungen
In einer Kultur wie der ägyptischen, deren religiöse Vorstellungen und Gebräuche auf dem Zyklus der Sonne (Tag/Nacht, Jahr) basieren, ist es nicht überraschend, dass Licht eine fundamentale Rolle in ihren Gottesvorstellungen spielt. Das Berliner Ägyptische Wörterbuch verzeichnet nicht weniger als 25 verschiedene Termini für Licht und Schein, 35 für Feuer und verwandte Nomina, mit, respektive, 36 und 42 zusätzlichen Verben, die den Effekt und das Verhalten von Licht und Feuer beschreiben. Im Gegensatz hierzu konnotieren nur 18 Nomina Dunkelheit, mit 5-8 verwandten Verben. Die große Bedeutung des Lichts ist damit in den Texten unbestreitbar, in der Ikonographie aber nicht weniger verbreitet, sofern die relevanten Ikone identifiziert werden.
Dieser Vortrag wird die Etymologie und Verwendung einiger zentraler Lichttermini und –ikone erörtern, wobei der Schwerpunkt auf solchen Begriffen liegen wird, die einen der wichtigsten Momente innerhalb der ägyptischen Sonnentheologie beschreiben: den Sonnenaufgang. Auf der Basis von Parallelen aus benachbarten Kulturen soll darüberhinaus gezeigt werden, dass sowohl die Terminologie als auch die Ikonographie des Sonnenaufgangs ihren Schwerpunkt in einer Reihe semantischer Komplexe hat, die oftmals die Grenzen des Nahen Ostens zu überschreiten scheinen.
Mittwoch, 24. Oktober 2012
18.15 Uhr, Edmund-Siemers-Alle 1 (Flügel West), Raum 121
Dr. des. Gunnar Sperveslage
Von Weihrauch, Amuletten und heiligen Stieren: Ägyptischer Einfluss auf die Oasensiedlungen Nordwestarabiens
Im ersten Jahrtausend v.Chr. belieferte das im Süden der Arabischen Halbinsel beheimatete Königreich von Saba den Vorderen Orient mit Weihrauch und Aromata entlang der sagenumwobenen Weihrauchstraße. Doch bereits im zweiten Jahrtausend waren auch die an der Weihrauchstraße gelegenen Oasensiedlungen im Nordwesten Arabiens wichtige Zentren, die in weitreichende Handels- und Kommunikationsnetzwerke eingebunden waren. Die archäologischen Forschungen der vergangenen Jahre in Dumat al-Jandal, Tayma, Medain Saleh und al-Ula haben reichhaltiges Fundmaterial erbracht, durch das die Geschichte dieser Region neu bewertet werden muss. Kontakte nach Ägypten bestanden mindestens seit der Spätbronzezeit, wie eine Felsinschrift Ramses’ III. nahe der Oase Tayma dokumentiert. Funde ägyptischer Objekte aus funerären und sakralen Kontexten wiederum lassen einen starken ägyptischen Einfluss auf die lokalen Eliten erkennen und reflektieren Interesse an der ägyptischen Kultur. Es wurden jedoch nicht nur ägyptische Objekte importiert, sondern auch lokal nachgeahmt. So wurde unter anderem in Tayma eine ägyptische Ikonographie für den lokalen Stiergott übernommen und ein Tempel mit ägyptisierenden Skulpturen ausgestattet.
Die Ägyptologie Hamburg soll geschlossen werden!
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Und Herr Lenzen will nicht einmal darüber reden…
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Offener Brief an den Präsidenten der Universität Hamburg,
Herrn Prof. Dr. Dieter Lenzen
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Lenzen,
mit Befremden haben wir Ihre Stellungnahme in der Welt vom 28. Juni 2010 zur Kenntnis genommen, in der es wörtlich heißt: „Auch wenn die Universität Hamburg die Fächervielfalt in den Geisteswissenschaften als eine ihrer Stärken ansieht, ist eine Revision des Struktur- und Entwicklungsplans aus Gründen der allgemeinen Finanz- und Haushaltssituation nicht möglich.“ Abgesehen davon, dass Fehlentscheidungen stets revidierbar sind, fragt man sich, welcher inhaltlich-logische Zusammenhang zwischen der Wertschätzung der Vielfalt geisteswissenschaftlicher Fächer und deren Abschaffung bestehen soll. Wir sehen das eher als einen Widerspruch. Die Weiterführung einer einzigen Professorenstelle zum Erhalt der Hamburger Ägyptologie mit ihrem international erstklassigen Ruf stellt angesichts des universitären Gesamthaushaltes weniger als Peanuts dar, so dass die allgemeine Finanzsituation nicht als Argument bemüht werden kann.
Bei der Ägyptologie handelt es sich im übrigen nicht um ein beliebiges Steinchen in einem bunten Kaleidoskop namens „Fächervielfalt“, sondern um ein eng mit Nachbardisziplinen verwobenes, geistesgeschichtliches Grundlagenfach, das Relevanz für unseren eigenen, den nahöstlichen und den afrikanischen Kulturraum beanspruchen darf. Schon allein aus Gründen der Fächersystematik sollte einer Fakultät und einem Universitätspräsidenten der Erhalt eines solchen Faches mehr Bemühen abverlangen als ein reines Lippenbekenntnis. Zumal uns der Wortlaut Ihrer Stellungnahme sehr an das Standardschreiben erinnert, das Sie freundlicherweise besorgten Fachvertretern des In- und Auslands zukommen ließen und in dem es heißt: „Ich darf Ihnen versichern, dass die Universität Hamburg die Fächervielfalt gerade auch in den Geisteswissenschaften als eine ihrer Stärken ansieht.“
Trotz seit Monaten laufender, mehrfacher Anfrage des letzten Fachvertreters haben Sie bislang keine Zeit für ein Gespräch erübrigen können. Damit scheint Ihr Bekenntnis zur Fächervielfalt ungefähr den Gehalt zu besitzen, den man vom Bekenntnis eines Fünfzehnjährigen zur ewigen Liebe erwarten darf.
Mit freundlichen Grüßen
Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt der Ägyptologie in Hamburg
Dr. Ruth Brech, Dr. Andreas Effland, Dr. Martin von Falck, Dr. Jan-Peter Graeff, Günther Käding, Prof. Dr. Dieter Kurth
Resolution
der Ständigen Ägyptologenkonferenz 2010
An den Präsidenten der Universität Hamburg, Professor Dr. Dieter Lenzen,
an den Fakultätsrat der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Hamburg,
Wir, die Vertreter der deutschsprachigen Ägyptologie haben anlässlich der Ständigen Ägyptologenkonferenz (SÄK) in Bonn vom 16. – 18. Juli 2010 mit Befremden zur Kenntnis genommen, dass die Universität Hamburg weiterhin daran festhält, das Fach Ägyptologie als studierbares Fach nicht mehr anzubieten. Diese Entscheidung ist abwegig,
- weil die Ägyptologie mit zahlreichen, an der Universität Hamburg weiterhin studierbaren Fächern wie z.B. der Afrikanistik, Äthiopistik, Alten Geschichte, Klassischen Archäologie, Religionswissenschaft und Theologie inhaltlich eng vernetzt ist.
- weil die Ägyptologie in Hamburg einen guten internationalen Ruf genießt und die Basis großer Forschungsvorhaben darstellte und weiterhin darstellen kann.
Wir fordern Sie daher nachdrücklich auf, das Fach Ägyptologie an der Universität Hamburg weiterhin als Studienfach anzubieten und die Beschlüsse, die zur Einstellung des Studiengangs getroffen wurden, rückgängig zu machen.
angenommen durch die Vollversammlung am 18. Juli 2010

